Wichtige Zertifikate für Amazon FBA: Alles was du wissen musst!

Als Private Label Seller trägt man die volle Verantwortung für das Produkt. Erfahre, welche Zertifikate für Amazon FBA am wichtigsten sind und bei welchen Prüfstellen du diese bekommst!

Amazon FBA
13 Minuten Lesezeit
Wichtige Amazon FBA Zertifikate Lukas Mankow

Egal ob du bereits ein erfahrener Seller oder FBA Neuling bist: Das Thema Zertifikate ist extrem wichtig und du solltest dich deshalb besonders intensiv damit beschäftigen. Als Private Label Seller trägst du nämlich die volle Verantwortung für dein Produkt, und musst deshalb unbedingt die wichtigsten Zertifikate für Amazon FBA kennen. 

Du erhältst in diesem Artikel Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Was sind Zertifikate und warum benötige ich diese?
  • Welche sind die wichtigsten Zertifikate?
  • Woher bekomme ich das jeweilige Zertifikat?
  • Was ist eine Konformitätserklärung?
  • Was passiert, wenn mein Produkt die erforderlichen Zertifikate nicht hat?

Außerdem verrate ich dir zwei (kostenlose) Möglichkeiten, wie du mit sehr wenig Aufwand herausfinden kannst, welche Zertifikate für dein Produkt erforderlich sind. 

Amazon FBA Zertifikate

Was sind Zertifikate und warum benötige ich diese?

Du musst sicherstellen, dass dein Produkt zum Zeitpunkt des Imports und beim Verkauf richtlinien- und gesetzeskonform ist. Bei vielen Produkten kann das durch entsprechende Zertifikate nachgewiesen werden. Ein Zertifikat ist ein offizielles Dokument, welches dir nur von einem zugelassenen Prüfinstitut ausgestellt werden darf. In diesem wird dann bestätigt, dass du mit deinem Produkt alle nötigen Richtlinien einhältst. 

Seit Januar 2002 gilt in Europa die sogenannte Richtlinie 2001/95/EG über die allgemeine Produktsicherheit. In dieser wird grundsätzlich festgelegt, dass alle in Europa hergestellten und gehandelten Produkte für den Verbraucher sicher sein müssen. 

Was bedeutet das konkret für dich? 

Als Händler oder Private Label Seller ist entscheidend, dass sowohl der Hersteller (in Europa) als auch der Importeur eines Produktes in den europäischen Markt für die Sicherheit des Produktes verantwortlich ist.

Wenn du also deine Produkte nicht direkt in Europa beziehst, bist immer du für die Produktsicherheit verantwortlich und kannst bei Verstößen direkt haftbar gemacht werden.

Zertifikate sind also extrem wichtig. Wenn dein Produkt den vorgeschriebenen Anforderungen nicht entspricht, handelst du nicht nur rechtswidrig und fahrlässig, sondern gefährdest unter Umständen sogar Menschenleben. Bitte sei dir dieser Verantwortung bewusst.

Die wichtigsten Zertifikate und Richtlinien

Für dich als Private Label Seller sind insbesondere die folgenden Zertifikate/Richtlinien wichtig, da sie für sehr viele Produkte gelten und auch eine Vielzahl der typischen Private Label Produkte darunter fallen.

  • LFGB – Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch
  • CE – Kennzeichnung – Selbstkennzeichnung für sichere Produkte
  • REACH – Europäische Chemikalienverordnung
  • RoHS – Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe
  • FSC –  Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft

LFGB – Lebensmittel und Futtergesetzbuch

LFGB - Lebensmittel und Futtergesetzbuch

Mit dem Anforderungen des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) wird sichergestellt, dass Nahrung und Produkte die in den Kontakt mit Lebensmitteln und Schleimhäuten kommen, keine Gefahr für den Verbraucher darstellen.     

Für dich als Seller bedeutet das, dass du unter anderem für die folgenden Produkte und Produktkategorien ein LFGB Zertifikat benötigst:

Küchenprodukte, Küchenhelfer und alle Gegenstände die mit Lebensmitteln in Berührung kommen (zum Beispiel Knoblauchpresse, Messer, Trinkbehälter, Töpfe usw.)

  • Verpackung für Kosmetik (zum Beispiel Dosen, Schachteln, Gläser usw.) – gilt nicht für die Umverpackung
  • Lebensmittel & Nahrungsergänzungsmittel
  • Pflanzen & pflanzliche Produkte (zum Beispiel Samen, Öle usw.)
  • Haustierzubehör (zum Beispiel Spielzeug, Futter, Decken, Körbchen usw.)
  • Beauty, Körperpflegeprodukte und alle Gegenstände die mit den Schleimhäuten in Berührung kommen  (zum Beispiel Zahnbürsten, Kämme, Feilen, Rasierer usw.)
  • Spielzeug und Scherzartikel (alle Arten von Spielwaren, zusätzlich sind bei Kinderspielwaren noch weitere Anforderungen zu beachten – zum Beispiel die EN71)
  • Kleidung & Accessoires (zum Beispiel auch Armbänder, Brillengestelle, Perücken, Masken, Bettwäsche, künstliche Wimpern, Haarteile) 
  • Reinigungs- und Pflegemittel, die für den häuslichen Bedarf 

Auf der Informationsseite des Bundesamtes für Verbraucherschutz findest du noch weitere Beispiele für Bedarfsgegenstände nach dem LFGB. 

Das LFGB Zertifikat muss auf der Verpackung oder auf dem Produkt angegeben werden, wenn dein Produkt in irgendeiner Form mit Lebensmitteln in Berührung kommt. Eine Zahnbürste benötigt beispielsweise keine Angabe auf der Verpackung, obwohl sie auch ein LFGB Zertifikat haben muss. 

Tipp: Die Beispiele für Bedarfsgegenstände sind sehr umfangreich und anschaulich, sodass du bei fast allen Produkten sehr einfach entscheiden kannst, ob ein LFGB Zertifikat erforderlich ist. Solltest du dir dennoch unsicher sein, bestelle einfach ein vergleichbares Produkt von einer großen Marke oder schaue im Einzelhandel auf die Produktverpackung von vergleichbaren Produkten. Produkte, welche dem LFGB Anforderungen entsprechen, sind immer mit dem typischen Symbol (Weinglas+Gabel) gekennzeichnet. 

CE – Kennzeichnung

CE Kennzeichnung

Die CE-Kennzeichnung ist kein einzelnes Zertifikat wie zum Beispiel das LFGB, sondern eine Kennzeichnung deines Produktes. Mit dem CE-Zeichen auf deinem Produkt zeigst du, dass du die spezifischen Produktanforderungen kennst und erfüllst. Diese Anforderungen sind oftmals in Normen (DIN oder EN) oder in Gesetzen (Elektrogesetz: https://www.elektrogesetz.de/) geregelt. Sofern du Hersteller oder Inverkehrbringer des Produktes bist, bis du dafür verantwortlich, dass dein Produkt richtig mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet wird.

Bei den folgenden Produktgruppen ist immer eine CE-Kennzeichnung erforderlich:

  • Elektronik (zum Beispiel Computermaus, Staubsauger, Milchaufschäumer)
  • persönliche Schutzausrüstung (zum Beispiel Brillen, Masken, Helme, Handschuhe) 
  • Messgeräte (zum Beispiel Waagen, Messschieber)
  • Spielzeug aller Art
  • Medizinprodukte (zum Beispiel Alkoholtester, Spritzen, Blutdruckmessgeräte)
  • ggf. Sport- und Fitnessprodukte (zum Beispiel Hanteln, medizinische Fitnessgeräte)
Amzon FBA CE Kennzeichnung

Achte darauf, dass die CE-Kennzeichnung eine größe von 5mm nicht unterschreitet, und in den richtigen Proportionen, gut sichtbar auf dem Produkt und auf der Produktverpackung angebracht ist. (Was noch alles auf die Produktverpackung gehört, erfährst du hier.)

Wichtig: Du musst alle relevanten Normen und Gesetze für dein Produkt kennen und sicherstellen, dass diese eingehalten werden. Nur dann ist es dir erlaubt dein Produkt mit dem CE-Zeichen zu versehen. 

Wie kann ich herausfinden, ob mein Produkt eine CE-Kennzeichnung benötigt und welche zusätzlichen Anforderungen zu erfüllen sind?

Bestelle ein vergleichbares Produkt von einem großen Markenhersteller 

Sofern du nicht bereits weißt, dass dein Produkt eine CE-Kennzeichnung benötigt, ist der einfachste Schritt ein vergleichbares Produkt von einem großen Markenhersteller zu bestellen. Wichtig ist hierbei, dass es wirklich ein bekannter Markenhersteller ist und kein kleiner Private Label oder China Seller. Solltest du eine CE-Kennzeichnung auf dem Produkt des Markenherstellers finden, kannst du davon ausgehen, dass auch dein Produkt eine CE-Kennzeichnung benötigt.

Schreibe deinen Hersteller an

Um nun herauszufinden, welche genauen Anforderungen das Produkt braucht und ob ggf. weitere Zertifikate für dieses Produkt erforderlich sind, schreibe dem Hersteller eine E-Mail aus der Sicht eines vorsichtigen Kunden. Frage ihn, welche Zertifikate sein Produkt hat und auf welche geltenden Normen und Rechtsvorschriften es getestet wurde. 

Frage deinen Hersteller

Ein guter Hersteller sollte bereits Erfahrungen mit dem Produkt haben und informiert sein, welche Anforderungen für den europäischen Markt gelten. Somit sollte er auch wissen, ob eine CE-Kennzeichnung erforderlich ist und welche zusätzlichen Anforderungen für das Produkt gelten.

Vorsicht! Sofern dein Hersteller dir hier keine verlässlichen Informationen geben kann, solltest du vorsichtig mit einer Zusammenarbeit sein. Wenn er die Anforderungen für das Produkt nicht kennt, wird er sie höchstwahrscheinlich auch nicht einhalten und umsetzen können.   

Nutze einen Dienstleister

Gerade bei komplexeren und elektronischen Produkten ist es ratsam, auf einen externen Dienstleister zurückzugreifen. Durch diesen kannst du nicht nur herausfinden, ob dein Produkt eine CE-Kennzeichnung benötigt, sondern auch welche Vorschriften und Richtlinien dein Produkt einhalten muss, damit du überhaupt berechtigt bist, dein Produkt mit CE zu kennzeichnen. 

Ich empfehle dir an dieser Stelle den Service von ProductIP. Hier bekommst du alle notwendigen Informationen für dein konkretes Produkt und kannst dir sicher sein, dass du alle Anforderungen kennst. Jetzt musst du nur noch prüfen und sicherstellen, dass dein Produkt die Anforderungen erfüllt und dir die entsprechenden Dokumente von deinem Hersteller oder einer externen Prüfstelle besorgen. Weiter unten habe ich dir einige Prüfstellen aufgelistet.

REACH – Verordnung

REACH Verordnung Amazon FBA

Die Europäische Chemikalienverordnung (REACH-Verordnung) befasst sich mit der Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien und stellt sicher, dass keine gefährlichen oder unzulässigen Bestandteile in Produkten enthalten sind.

Als Hersteller oder Importeur musst du sicherstellen, dass deine Produkte ungefährlich sind und die gesetzlichen Grenzwerte für die jeweiligen Stoffe eingehalten werden. 

Die REACH Verordnung betrifft nahezu alle Produkte, bei denen mit Chemikalien gearbeitet wird (zum Beispiel Färbungen, Weichmacher). Nachfolgend findest du wieder einige Beispiele:

  • Textilien jeder Art (hier gibt es noch zusätzliche Richtlinien zu beachten wie zum Beispiel die Textilkennzeichnungsverordnung
  • Lederprodukte
  • Küchen- und Haushaltsgeräte
  • Lebensmittel und Supplements
  • Spielzeug
  • Küchenprodukte und Küchenhelfer
  • Kosmetik (hier gibt es noch zusätzliche Richtlinien zu beachten, zum Beispiel die Kosmetikverordnung) Weiterhin müssen diese Produkte bei der EU registriert sein) 
  • Elektronik
  • Haustierzubehör

Da die Einhaltung der REACH Verordnung nicht auf den Produkten oder der Produktverpackung zu kennzeichnen ist, kannst du nicht durch die Bestellung eines anderen Produktes herausfinden, ob für dein Produkt ein REACH Test erforderlich ist. Aber auch hier habe ich wieder ein paar Tipps für dich, wie du es dennoch recht einfach herausfinden kannst.

Schreibe eine qualifizierte Anfrage an den Zoll oder TÜV

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Produkt einen REACH Test benötigt, empfehle ich dir eine sogenannte “qualifizierte Anfrage” per E-Mail an den Zoll oder TÜV zu schicken. Meist bekommst du von diesen Stellen recht schnell und kostenlos eine verlässliche Rückmeldung. Beschreibe in der Anfrage dein Produkt so gut wie möglich (Funktion, verwendete Materialien) und füge Bilder hinzu. 

Tipp: In der E-Mail an den Zoll kannst du zusätzlich direkt nach der Zolltarifnummer für dein Produkt fragen. (Was die Zolltarifnummer ist und warum diese wichtig für deine perfekte Margenkalkulation ist, erfährst du hier.) 

Frage deine Hersteller

Sofern du bereits einen potentiellen Hersteller für dein Produkt hast, frage ihn ob sein Produkt schon einen REACH Test hat. Oftmals kann dir dann der Hersteller den aktuellen REACH Test zur Verfügung stellen, sodass du ihn für dein Produkt nutzen kannst. 

Wichtig: Sollte dir ein Hersteller einen REACH Test zur Verfügung stellen, musst du unbedingt prüfen ob dieser gültig ist. Überprüfe dafür zuerst, ob die Prüfstelle zugelassen ist. Wenn dies der Fall ist, schreibe die Prüfstelle direkt an, schick ihnen den Test zu und frag nach, ob dieser noch gültig ist und von der Prüfstelle ausgestellt wurde.     

Mein Hersteller hat einen gültigen REACH Test. Darf ich diesen verwenden?

Sollte sich bei der Überprüfung bestätigt haben, dass der REACH Test deines Herstellers gültig ist, kannst du diesen für dein Unternehmen verwenden.  Du musst natürlich zuerst bei deinem Hersteller um Erlaubnis fragen, da dieser ja Geld für den Test bezahlt hat. Ich empfehle dir jedoch, den REACH Test direkt auf dein Unternehmen ausstellen zu lassen. Hierzu musst du oder dein Hersteller die Prüfstelle beauftragen die Testergebnisse auf dein Unternehmen auszustellen. 

Wann muss ich den REACH Test durchführen? 

Du solltest für dein Produkt spätestens vor dem Import einen positiven REACH Test durchgeführt haben. Ich empfehle dir das Produkt noch vor der Massenproduktion testen zu lassen. Nur dann kannst du reagieren, wenn der REACH Test negativ ausfällt. Sollte das Produkt aufgrund der verwendeten Materialien den REACH Test nicht bestehen, musst du die Materialien für dein Produkt austauschen oder dir einen anderen Hersteller suchen. 

Wie oft muss ich den REACH Test durchführen? 

Ob du bei jeder neuen Bestellung (desselben Produktes) einen REACH Test durchführen lässt, musst du für dich selbst beantworten. Wenn du ganz sicher gehen möchtest jedes Haftungsrisiko auszuschließen, solltest du das bei jeder Bestellung machen. Es kann immer passieren, dass der Hersteller oder der Lieferant des Herstellers etwas am Material ändert. In unserem Unternehmen erkundigen wir uns vor jeder Bestellung danach, ob sich etwas geändert hat und erneuern den REACH Test vorsichtshalber jedes Jahr.

Was passiert nach dem Test? 

Wenn deine Produkte den Test bestehen, sind sie für den Verkauf freigegeben. Es kann jedoch auch passieren, dass in deinem Produkt ein besorgniserregender Stoff gefunden wird. In diesem Fall fällt dein Produkt entweder in das Verzeichnis der zulassungspflichtigen Stoffe (kurz SVHC-Liste), oder in die Liste der beschränkten Stoffe (kurz Annex XVII). 

SVHC-Liste: In dieser Datenbank befinden sich alle Stoffe, die in irgendeiner Art und Weise schädlich sind. Wird in deinem Produkt ein solcher Stoff gefunden, musst du eine Zulassung beantragen. Um den Aufwand zu vermeiden, rate ich dir jedoch nach einer anderen Herstellungsmöglichkeit zu suchen. 

Annex XVII: In dieser Liste befinden sich alle Stoffe, die ein hohes Risiko für Gesundheit und/oder Umwelt darstellen. Der Import dieser Stoffe ist entweder beschränkt oder sogar verboten. Sollte ein solcher Stoff gefunden werden, rate ich dir in jedem Fall von einer Herstellung ab. Ein Beschränkungsverfahren ist enorm aufwendig und macht für uns Private Label Seller überhaupt keinen Sinn. 

RoHS-Richtlinie       

Amazon FBA RoHS-Richtlinie

Die RoHS-Richtlinie stellt ebenfalls sicher, dass keine gefährlichen oder unzulässigen Stoffe in den Produkten enthalten sind. Die Richtlinie gilt allerdings nur für Elektronikgeräte. Ziel der Richtlinie ist es, schädliche Metalle und Weichmacher im Elektroschrott zu vermeiden. Gemäß der Richtlinie sind alle Elektro- und Elektronikprodukten zu testen. Diese können zum Beispiel folgenden Produktkategorien angehören:

  • Haushaltsgroßgeräte (zum Beispiel Kühlschrank, Waschmaschine)
  • Haushaltskleingeräte (zum Beispiel Staubsauger, Mixer, Toaster, Mikrowelle)
  • IT- und Telekommunikationsgeräte (zum Beispiel Handy, Fernbedienung)
  • Geräte der Unterhaltungselektronik (zum Beispiel TV, Spielkonsolen)
  • Beleuchtungskörper (zum Beispiel Glühbirnen jeder Art)
  • Elektrische und elektronische Werkzeuge (zum Beispiel Akkuschrauber, elektronischer Messschieber)
  • Spielzeug sowie Sport- und Freizeitgeräte
  • Medizinische Geräte (zum Beispiel Alkoholtester, Blutdruckmessgerät)
  • Überwachungs- und Kontrollinstrumente 

Die RoHS Richtlinie ist auf nahezu alle Produkte anzuwenden, welche Elektronik beinhalten. Wenn du dir dennoch nicht sicher bist, ob dein Produkt nach RoHS zu testen ist, kannst du auch hier die bereits erwähnten Methoden anwenden und eine “qualifizierte Anfrage” an den TÜV stellen. Wie bereits weiter oben, im Abschnitt zur REACH-Verordnung, beschrieben, musst du ebenfalls selbst entscheiden, wie oft du einen solchen Test durchführen lässt. 

FSC – Zertifizierung

Amazon FBA FSC Zertifizierung

Die FSC Zertifizierung ist keine verpflichtende Zertifizierung und für alle Produkte relevant, welche aus Holz bestehen. FSC steht für Forest Stewardship Council und es handelt sich dabei um eine Non-Profit-Organisation, welche das erste System für die Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft geschaffen hat. Der FSC will mit seinem System sicherstellen, dass die Forstbetriebe ihren ökonomischen, ökologischen und sozialen Verpflichtungen nachkommen und die Waldnutzung nachhaltig erfolgt. Solltet deine Zielgruppe viel Wert auf Nachhaltigkeit legen, ist es sinnvoll, deine Produkte FSC zertifizieren zu lassen.

Mit der FSC Zertifizierung können zum Beispiel folgende Produkte versehen werden:

  • Verpackungen
  • Möbel
  • Kochlöffel
  • Pinsel
  • alle sonstigen Produkte aus Holz

Wichtig ist, dass du ein FSC Zertifikat nur verwenden darfst, wenn dein Produkt bzw. dein Hersteller bei der FSC registriert ist. Weiterhin muss sichergestellt sein, dass alle Teilnehmer in deiner Produktionskette FSC zertifiziert sind. Alle weiteren Informationen zum FSC, ob dein Hersteller bereits von der FSC zertifiziert ist und ob du das Siegel für deine Produkte verwenden kannst, erfährst du direkt auf der offiziellen Internetseite. 

Oeko-Tex

Amazon FBA Oeko Text

Mit der Oeko-Tex Zertifizierung garantierst du, dass deine Produkte in allen Bestandteilen (Fasern, Garne, Gewebe, Leder usw.) gesundheitlich unbedenklich sind und in den Betriebsstätten sozial- und umweltverträgliche Produktionsbedingungen bestehen. Die Oeko-Tex Zertifizierung ist freiwillig und wird ebenfalls durch eine Non-Profit-Organisation vergeben. 

Eine Oeko-Tex Zertifizierung kann für alle Produkte erfolgen, welche aus Textilien oder Leder bestehen. Es kann sich dabei sowohl um Kunststoffe, als aus um natürliche Produkte handeln. Für die einzelnen Materialarten gibt es unterschiedliche Zertifizierungen von Oeko-Tex:

  • Standard 100 by Oeko-Tex (für alle Textilien wie zum Beispiel Socken, Krawatten, Decken, usw.)
  • Leather Standard by Oeko-Tex (für alle Lederprodukte wie zum Beispiel Portmonee, Aktentasche, Schuhe, usw.)
  • Made in Green by Oeko-Tex (für alle Textilien welche den Standard 100 erfüllen und zusätzlich aus nachhaltigen Produktionen stammen) 
  • STeP by Oeko-Tex (Zertifizierung von Unternehmen für nachhaltige und sozial verträgliche Produktionsbedingungen)

Die meistverwendete Zertifizierung ist der Standard 100. Mit diesem Zertifikat weist du die gesundheitliche Unbedenklichkeit deiner Textilprodukte nach. Die Zertifizierung ist jeweils für ein Jahr gültig. Solange deine Produkte zertifiziert sind, darfst du mit dem entsprechenden Siegel von Oeko-Tex werben und dieses auf deinen Produkten anbringen. Alle weiteren Informationen und wie du die Zertifizierung erhältst, erfährst du auf der offiziellen Internetseite

Konformitätserklärung

Eine EU-Konformitätserklärung ist ein Dokument das bestätigst, dass dein Produkt allen relevanten Richtlinien entspricht und somit als sicher gilt. Sofern konkrete Vorschriften und Normen für dein Produkt gelten (insbesondere bei Spielzeug und Elektroprodukten) oder du entsprechende Zertifikate hast, musst du eine Konformitätserklärung vorlegen können.

Eine konkrete Vorschrift, wie die Erklärung auszusehen hat, gibt es nicht. Du findest hier eine entsprechende Vorlage, welche du auf dein Produkt anpassen kannst. Wie bereits oben geschrieben, solltest du die Konformitätserklärung bei einer Prüfung (zum Beispiel durch den Zoll) immer zusammen mit den entsprechenden Zertifikaten vorlegen können.

Häufig gestellte Fragen

Woher bekomme ich die Zertifikate für meine Produkte?

Zertifikate können dir von jeder zugelassenen Prüfstellen ausgestellt werden. Es ist dabei egal, ob sich die Prüfstelle in Deutschland oder im Ausland (zum Beispiel in China) befindet. Wichtig ist allein, dass die Prüfstelle zugelassen (akkreditiert) ist. Empfehlen kann ich dir unter anderem folgende:

Tipp: Sofern du mit dem TÜV zusammenarbeiten möchtest, empfehle ich dir direkt beim TÜV in China anzufragen. Zum einen, hast du hier meist eine deutlich schnellere Bearbeitungszeit und zum anderen, sind die Kosten für die Zertifizierung auch entsprechend geringer.

Was mache ich mit den erhaltenen Zertifikaten?

Je nach Produkt kann es bereits während des Imports passieren, dass der Zoll die erforderlichen Zertifikate sehen will und die Ware erst dann freigibt, wenn du alle Dokumente vorgelegt hast. 

Weiterhin brauchst du die Zertifikate, wenn es zu Problemen oder Vorfällen mit deinen Produkten gekommen ist. Nur so kannst du gegenüber deinen Kunden und den überprüfenden Institutionen nachweisen, dass deine Produkte den Anforderungen entsprechen.

Sollte es z.B passieren, dass eine von dir importierte Lichterkette einen Brand verursacht, musst du nachweisen können, dass die Lichterkette den gesetzlichen Anforderungen entsprochen hat. Das kannst du nur nachweisen, wenn du die entsprechenden Dokumente vorlegen kannst. 

Was passiert, wenn mein Produkt die erforderlichen Zertifikate nicht hat?

Wenn für dein Produkt ein Zertifikat erforderlich ist und du dieses nicht hast, darfst du dein Produkt grundsätzlich nicht verkaufen. Es kann passieren, dass deine Produkte bereits am Zoll stecken bleiben und dort im schlimmsten Fall vernichtet werden. 

Sollte dein Produkt einen Schaden oder Unfall verursachen, und du hast keine erforderlichen Zertifikate, kannst du davon ausgehen dass deine Produkt Haftpflichtversicherung nicht greift. 

Was kostet mich ein Zertifikat?

Es kommt immer darauf an, wie komplex dein Produkt ist und was alles getestet werden muss. Besteht dein Produkt aus sehr vielen Teilen mit unterschiedlichen Materialien, müssen diese unter Umständen alle einzeln getestet werden. Weiterhin sind bei elektronischen Produkten, Kinderspielzeug, Kosmetika oder Nahrungsergänzungsmitteln oft mehrere Zertifikate bzw. Tests notwendig. 

Ich empfehle dir in jeden Fall immer mindestens zwei Angebote von verschiedenen Prüfstellen einzuholen, um den besten Preis zu bekommen.

Aus meinen bisherigen Erfahrungen kann ich dir die folgenden Richtwerte an die Hand geben:

  • LFGB → 400 bis 2.000 €
  • CE → 100 bis 800 €
  • REACH → 20 bis 300 €
  • RoHS → 80 bis 600 €
  • FSC → 20 bis 300 €

Benötige ich immer ein Zertifikat?

Als Hersteller und Inverkehrbringer eines Produktes ist es immer deine Aufgabe, für die Produktsicherheit zu sorgen und die entsprechenden Nachweise vorzuhalten. Es kann natürlich sein, dass du ein Produkt hast, welches keine Zertifikate benötigt. Das trifft allerdings auf die allerwenigsten Produkte zu. 

Sofern du deine Produkte innerhalb der EU beziehst, bist nicht du, sondern der direkte Hersteller für die Produktsicherheit verantwortlich. Im Falle eines Mangels haftet dieser dann auch direkt. Ich empfehle dir auch in diesem Fall, zu prüfen, ob dein Hersteller die erforderlichen Zertifikate vorweisen kann. Hierdurch bist du deiner Sorgfaltspflicht nachgekommen, und kannst dir sicher sein, dass deine Produkte den Anforderungen entsprechen.

Das Wichtigste zusammengefasst: Amazon FBA Zertifikate

Nun hast du einen perfekten Überblick zum Thema Zertifikate. Du hast erfahren, welches die wichtigsten Zertifikate für Amazon FBA sind und was es alles zu beachten gibt. Du weißt auch, wie du sicher herausfinden kannst, ob dein Produkt ein Zertifikat benötigt und wie du dieses bekommst.  

Das bedeutet:

1. Du bist für die Sicherheit deines Produktes verantwortlich.
2. Die wichtigesten Zertifikate sind:

  • LFGB – Zertifizierung (Produkten die mit Lebensmitteln oder Schleimhäuten in Berührung kommen und zum Beispiel auch für Bedarfsgegenständen, Kosmetika, Textilien und Spielwaren)
  • CE – Kennzeichnung (Elektroprodukte, Spielzeug und persönliche Schutzausrüstung)
  • REACH – Zertifizierung (chemischen Stoffe, Färbungen, Weichmacher)
  • RoHS – Zertifizierung (Elektro- und Elektronikgeräte)  

Wenn deiner Zielgruppe Nachhaltigkeit und ein höherer Produktstandard wichtig sind, kann es sinnvoll sein, für deine Produkte zusätzliche Zertifikate, wie zum Beispiel FSC oder Oeko-Tex einzuholen. 

3. Es bleibt in deiner Verantwortung herauszufinden, ob dein Produkt ein Zertifikat benötigt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten und es ist ratsam, immer mehrere Möglichkeiten zu nutzen. Du solltest dich niemals nur auf eine Quelle verlassen. Du kannst unter anderem:

  • Ein vergleichbares Produkt von einem Markenhersteller bestellen und überprüfen, welche Zertifikate auf der Verpackung, dem Produkt und zum Beispiel der Bedienungsanleitung angegeben sind. 
  • Eine “qualifizierte Anfrage” an den Zoll oder den TÜV schicken. In der Anfrage beschreibst du dein Produkt (Materialien, Verwendung) und bittest um eine Auskunft über die erforderlichen Zertifikate.
  • Deinen (potenziellen) Hersteller fragen. Hierbei solltest du dich niemals nur auf die Aussage deines Herstellers verlassen.
  • Einen Dienstleister (wie zum Beispiel ProductIP) beauftragen.

4. Wenn du weißt, welche Zertifikate du brauchst, kannst du dir diese bei jeder zugelassenen (akkreditierten) Prüfstelle besorgen. Du kannst zum Beispiel bei folgenden Stellen anfragen:

5. Besorge dir die erforderlichen Zertifikate immer vor der Bestellung der Massenproduktion. Nur so kannst du Zusatzkosten vermeiden, welche zum Beispiel durch eine Neuproduktion entstehen können. 

6. Erstelle zu jedem Produkt zusätzlich eine Konformitätserklärung und bewahre diese zusammen mit allen Zertifikaten auf. Nutze hierzu Beispiele aus dem Internet und führe in dieser alle relevanten Zertifikate, Normen und Gesetze auf. Hebe alle Dokumente sorgfältig auf und habe sie jederzeit abrufbar (zum Beispiel für den Zoll).

Wie du für deine Produkte den besten Hersteller findest und was es, neben den Zertifikaten, noch zu beachten gibt, erfährst du hier

Beste Grüße und viel Erfolg,
Lukas

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