Bombensichere Patentrecherche: 6 Schritte Anleitung für Amazon FBA Produkte!

Die Patentrecherche ist ein wichtiger Schritt bevor es an die Entwicklung des Produktes geht. Wie man dabei am besten vorgeht, erfährst du hier!

Amazon FBA
6 Minuten Lesezeit
Amazon FBA Patentrecherche

Wenn du das hier liest, hast du wahrscheinlich schon dein erste Produkt für Amazon FBA gefunden. Herzlichen Glückwunsch dazu, du bist deinem Ziel, dem erfolgreichen FBA Business einen sehr großen Schritt näher gekommen. Doch bevor du jetzt wertvolle Zeit in die Produktentwicklung investierst, hat eine ausführliche Patentrecherche höchste Priorität!

Aber was ist überhaupt ein Patent und warum sollte man eine Patentrecherche machen? Genau das und vieles mehr lernst du in diesem Artikel. Außerdem erhältst du eine Auflistung der Unterschiede zwischen Patenten, Designs und Gebrauchsmustern sowie eine klare Anleitung, wie du eine bombensichere Patentrecherche durchführst. 

Hinweis: Hierbei handelt es sich nicht um eine verbindliche Rechtsberatung. Jedoch werden diese Schritte von den meisten FBA Sellern durchgeführt und haben auch in der AMZ Ventures Community aus über 1.700 Mitgliedern immer funktioniert. 

Was ist ein Patent?

Ein Patent schützt eine technische Erfindung. Dieses Schutzrecht ist für die gesamte Technik oder speziell für einen technischen Aspekt des Produktes ausgeschrieben. Dieser Aspekt muss neu und erfinderisch sein, sodass er zu einem Vorteil gegenüber vergleichbaren Produkten führt. Daher ist ein Patent in den meisten Fällen auch ein extrem starker USP, da es von der Konkurrenz nicht nachahmbar ist. 

Selber ein Patent anzumelden, ist im Gegensatz zu einer Markenanmeldung, kompliziert und sollte auf jeden Fall von einem Patentanwalt durchgeführt werden. Sollte es einmal vom zuständigen Patentamt abgesegnet worden sein, ist es bis zu 20 Jahren gültig.

Der Patentinhaber hat das Recht anderen Wettbewerbern die Benutzung ihres Produktes zu verbieten. Solltest du ein Produkt entwickelt haben, dass auf technischen Neuerungen basiert, kannst du dir also überlegen, ob es sinnvoll ist ein Patent anzumelden. So kannst du dich erfolgreich vor Wettbewerbern schützen. Aber Achtung, eine Patentanmeldung ist nicht billig und du solltest mit ca. 5.000 € anfallenden Kosten bis zur Genehmigung rechnen.

Unterschied zu Gebrauchsmustern und eingetragenen Designs

Im Gegensatz zu Patenten werden Gebrauchsmuster nicht auf den Grad der Neuartigkeit überprüft. Hier wird das Schutzrecht lediglich, ohne kompliziertes Prüfverfahren, beim Patentamt registriert. Ein Gebrauchsmuster erfordert also weniger Innovation und wird oft als kostengünstigere Alternative zum Patent gewählt.

Ein Beispiel für den kleinen Bruder des Patents können verschiedenste technische Neuheiten sein oder die Entwicklung eines bestimmten Herstellungsverfahrens.

Die Anmeldung erfolgt auch wesentlich schneller als die Patentanmeldung, da die Idee hinter der Gebrauchsmusteranmeldung nicht nochmal gesondert geprüft wird. Es ist bis zu 10 Jahren gültig. Du solltest bei deiner Analyse auch vorhandene Gebrauchsmuster überprüfen. Bei den relevanten Rechercheseiten, hast du oft die Möglichkeit, dir direkt beides anzuschauen.

Das eingetragene Design ist ein gewerbliches Schutzrecht. Bis 2014 hieß es noch Geschmacksmuster, wurde aber im Zuge des neuen Designgesetzes umbenannt.

Im Gegensatz zum Gebrauchsmuster bezieht es sich nicht auf technische Aspekte, sondern auf den Schutz eines Produktdesigns. Dazu gehören neuartige Formen, Muster und Farben von zwei- oder dreidimensionalen Erscheinungsformen. Die Kosten sind nicht besonders hoch und schützen dich in jedem Fall vor Nachahmungen und Kopien deines Produktes auf Amazon

Ein Beispiel hierfür ist der einzigartige Schnitt eines T-Shirts, ein Logo oder spezielle Abrundungen eines Möbelstücks zum Schutz vor Verletzungen.

Was passiert, wenn ich gegen ein Patent verstoße?

Der Patentinhaber hat das Recht anderen Wettbewerbern die Benutzung ihres Produktes zu verbieten. Die Folgen einer Patentverletzung können für dich einen harten Rückschlag bedeuten.

Sollte es zu einer Klage wegen eines Patentverstoßes kommen, müsstest du im schlimmsten Fall deine gesamten Gewinne herausgeben. Diese Gewinne sind natürlich nicht alle frei zur Verfügung, da du dein Geld wahrscheinlich schon wieder reinvestiert hast, um dein Unternehmen weiter zu skalieren.

Daher ist es so wichtig, dass du vor dem Sourcing-Prozess eine detaillierte Patentrecherche durchführst. Im nächsten Abschnitt findest du 6 kombinierbare Möglichkeiten, wie du deine Patentrecherche sicher angehen kannst. 

6 Schritte zur lückenlosen Patentrecherche

1. Gibt es noch andere Verkäufer?

Überprüfe, wie viele Seller in deiner Nische das Produkt verkaufen. Sollte es mehrere Seller mit sehr ähnlichen Produkten geben, ist das schon mal ein gutes Zeichen, reicht aber noch nicht für eine Entscheidung. 

Viele Seller wissen gar nicht, dass eine Patentrecherche absolut notwendig ist. Besonders chinesische Seller verkaufen oftmals Produkte, ohne vorher zu überprüfen, ob sie das überhaupt dürfen. Zusätzlich kannst du dich auch noch auf dem amerikanischen Markt umsehen, ob es Anzeichen für einen „Original-Hersteller“ gibt.

Sollten viele deutsche oder europäische Verkäufer in der Nische aktiv sein, kannst du dir schon etwas sicherer sein. Das reicht aber leider auch nicht aus. Daher sind die nächsten Schritte  auch notwendig!

2. Google Suche

Die Suche auf Google ist ein einfacher und gleichzeitig ein sehr wichtiger Schritt. Gib dein Produkt einfach mal in Kombination mit dem Wort „Patent“, “patentiert“ oder „geschützt“ ein. Sollte hier nichts Auffälliges dabei sein, ist das auch wieder ein gutes Zeichen.

Amazon FBA Patentrecherche

Hier scheint es auf jeden Fall etwas zu geben. Jetzt gilt es zu überprüfen, was genau patentiert wurde. 

Schau auf den Webseiten deiner potenziellen Konkurrenz nach. Überprüfe die Seller auf Amazon und versuche ihre Webseiten herauszufinden. Das gilt aber nicht nur für die Bestseller. Manchmal verkauft der Originalhersteller weitaus schlechter, als andere Nachahmer. Hier solltest du wirklich sorgfältig sein und dir Zeit lassen.

Überlege dir, welche größeren Marken dein Produkt verkaufen könnten und informiere dich bei Ihnen, ob von einem Patent gesprochen wird. Alternativ kannst du deinen Produktnamen auch mal bei YouTube eingeben. Manchmal liefert auch diese Plattform nützliche Hinweise.

3. Google Patents

Wenn du einmal auf Google bist kannst du hier direkt Google Patents eingeben. Die Suchmaschine hat mittlerweile eine zusätzliche Funktion um Patente zu recherchieren. Die Datenbank ist sehr groß und wird dir Patente aus Teilen der Welt präsentieren.

Hier zu recherchieren ist ein absolutes Muss! Die Produktzeichnungen sind sehr hilfreich, um herauszufinden, ob das jeweilige Patent für dich überhaupt relevant ist.

Amazon FBA Patentrecherche 1

4. Espacenet

Espacenet ist die offizielle Patentrecherche-Seite des europäischen Patentamtes. Hier kannst du wählen zwischen einer Smart, Advanced und Classification Search. Das ermöglicht dir, von Beginn ziemlich viele Details einzugeben und die Suche etwas einzugrenzen.

Amazon FBA Patentrecherche 2

Wenn du dich durch die einzelnen Suchergebnisse klickst, kannst du dir auch hier wieder die Produktzeichnungen zunutze machen. Oftmals handelt es sich bei den Schutzrechten um eine ähnliche Kategorie, bei denen sich das Patent jedoch stark von deinem gewählten Produkt unterscheidet.

5. DPMA

Das deutsche Patent- und Markenamt bietet dir zwei gute Recherchemöglichkeiten. Du kannst wählen zwischen der Datenbank DEPATISnet und dem DPMAregister.

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Beide Datenbanken sind sehr ähnlich aufgebaut. Die Einsteigerrecherche eignet sich bestens, um relevante Patente für ein bestimmtes Produkt herauszufinden. Hier kannst du zusätzlich auch Gebrauchsmuster, Designs und Markennamen recherchieren.

Diese Seite wird dich auf deinem Weg zum erfolgreichen Produkt noch öfters begleiten! Hier zu suchen bringt immer die besten und zuverlässigsten Ergebnisse. Die Seite ist einfach aufgebaut und du kannst umfassende Ergebnisse analysieren.

Du merkst, dass alle Schritte aufeinander aufgebaut haben. Von einer eher allgemeinen Suche bis zur Auswertung spezifischer Datenbanken kennst du nun die wichtigsten Schritte. Wenn du alle Seiten und Möglichkeiten ohne Ergebnis durchforstet hast, kannst du dir relativ sicher sein, dass kein Patent vorliegt.

6. Patentanwalt einschalten

Solltest du dir wegen möglicher Hinweise auf ein Patent unsicher sein, dieses Produkt aber dennoch auf den Markt bringen wollen, bleibt dir nichts anderes übrig als einen Patentanwalt zu beauftragen.

Ein Patentanwalt hat die Möglichkeit in geschlossenen Datenbanken zu recherchieren und eine genaue FTO-Analyse durchzuführen. Eine Free-To-Operate Analyse untersucht, ob bestimmte Rechte an einer Erfindung existieren. Sollte das der Fall sein, darfst du das Produkt nicht verkaufen.

Du könntest durch deinen Anwalt auch versuchen an den Patentträger heranzutreten, um dein Produkt mit einer Lizenz des Originalherstellers verkaufen zu dürfen. Das ist jedoch mit hohem Aufwand und hohen Kosten verbunden.

Nach der FTO-Recherche kannst du dir dann zu 100 % sicher sein, ob dein Produkt patentiert ist oder nicht. Die Kosten dafür sind entsprechend hoch. Das heißt, für eine Patentrecherche solltest du bereit sein 5.000 € – 10.000 € zu bezahlen.

Gerade zu Beginn deiner Unternehmer-Karriere sind das hohe Ausgaben. Du musst dir also genau überlegen, ob du einen Anwalt hinzuziehen möchtest. Solltest du die Analyse machen lassen und es stellt sich heraus, dass das Produkt geschützt ist, hast du alleine dafür sehr viel Geld ausgegeben. Mit diesem Geld könntest du erfolgreich 1-2 andere Produkte auf den Markt bringen!

Tipp: Solltest du dir am Ende deiner Patentanalyse unsicher sein und leichte Bedenken haben, dass dein Produkt patentiert ist, begebe dich lieber noch einmal in die Produktrecherche und suche ein Produkt, welches nicht mit diesem Aufwand verbunden ist. 

Klar hat dich die Produktrecherche schon viel Arbeit gekostet und du möchtest endlich durchstarten. Aber jetzt weißt du, mit welchen Folgen du rechnen musst, wenn du ein patentiertes Produkt verkaufst. Dieser Aufwand ist im Endeffekt viel größer als bei einer weiteren Produktrecherche.  Bei einer Gewinnherausgabe kann es sogar dazukommen, dass du dein gesamtes Unternehmen aufgeben musst.

Wenn du dir nicht wirklich sicher bist, entscheide dich gegen das Produkt. Das Risiko ist einfach zu hoch. Der Amazon Marktplatz hat unzählige Produkte zu bieten, die nur darauf warten, von dir entdeckt zu werden. Lass dich bei einem Rückschlag niemals unterkriegen! Sieh es als Erfahrung, die dir die zweite Recherche um einiges erleichtern wird.

Fazit – Amazon FBA Patente

Auch wenn die Patentrecherche eine trockene Aufgabe ist, gehört diese zu den wichtigsten Schritten vor jedem neuen Produkt. Nimm dir wirklich 1-2 Tage Zeit, für eine fokussierte Patentrecherche. Analysiere alle Seiten, die hier aufgezählt wurden, und trage deine Ergebnisse zum Beispiel auf Evernote zusammen. Wenn du routinierter in der Recherche bist, wird dieser Prozess auch um einiges schneller gehen.

Denk dran: Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, kann es endlich mit der kreativen Ausarbeitung deiner USPs weitergehen!

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