Eigene Amazon FBA Verpackung – Alles zu Richtlinien, Lizenzen & Design

Zu jedem Produkt gehört eine gute Produktverpackung. Diese dient nicht nur als Schutz und Qualitätsmerkmal, sondern ist extrem wichtig, um gesetzliche Anforderungen, wie z.B Pflichthinweise, Zertifikate oder Sicherheitsvorgaben zu erfüllen. Weil diese Angaben je nach Produkt und Verpackung variieren können, ist es besonders am Anfang schwierig den Durchblick zu behalten. 

Weil du zwangsläufig Verpackungsmaterial importierst, kommt eine weitere Pflicht auf dich zu: Die Verpackungslizenzierung und die Mengenmeldung bei der zentralen Meldestelle. Klingt wahnsinnig kompliziert, ist aber in weniger als 20 Minuten erledigt. 

Jeder der folgenden Schritte ist extrem wichtig, da das Nichteinhalten solcher Vorschriften hohe Geldbußen oder sogar ein Verkaufsverbot nach sich ziehen kann.

Damit du dieses Thema schnell und unkompliziert abhaken kannst, habe ich dir in diesem Artikel alle wichtigen Informationen in einer Schritt für Schritt Anleitung zusammengetragen.


Schritt 1: Die richtige Verpackung für dein Produkt finden

Es gibt wahnsinnig viele Variationsmöglichkeiten dein Produkt zu verpacken. Es gibt jedoch Verpackungen die sich für bestimmte Produkte nicht eignen oder aufgrund einer zu geringen Marge nicht umsetzbar sind. So findest du die richtige Verpackung für dein Produkt: 

Für bestimmte Produkte hat Amazon noch einmal eigene Verpackungsvorgaben. Daher solltest du vorher unbedingt überprüfen, ob es für dein Produkt bestimmte Richtlinien gibt. Unter diese Vorgaben fallen Produkte die ein höheres Risiko für Beschädigungen durch Versand oder Schmutz haben, wie Produkte mit Flüssigkeiten, Zerbrechliches, Trockenbatterien, Spielwaren , Bälle und Plüschartikel, scharfkantige Produkte, Textilien, Schmuck oder Bündel/Sets.

Frage deinen Hersteller welche Verpackung er dir anbieten kann. Die Verpackung direkt bei deinem Produzenten zu bestellen, ist natürlich viel einfacher und erspart dir Kosten, sowie logistischen Aufwand. Meistens haben Hersteller folgende Optionen: 

Polybag: Das Polybag ist die billigste Verpackungsvariante. Es handelt sich um einen Plastikbeutel, in den dein Produkt eingeschweißt wird. Besonders geeignet bei günstigen Produkten, Cashflow Artikeln oder Produkten mit geringer Marge.

Die Kosten liegen bei ca. 0,01 – 0,15 $  (Pro Bag) 

Blister Card: Die Blister Card ist die gängigste Verpackung für kleinere Artikel im unteren Preissegment. Du kennst diese Verpackung z.B von Scheren, Stiften, USB-Sticks usw. Das Produkt wird zwischen zwei Hartplastik-Hälften eingeschweißt, liegt dadurch sicher in der Verpackung und wirkt hochwertiger auf den Kunden.

Die Kosten liegen bei ca. 0,10 – 0,40 $ (Pro Blister Card) 

Colorbox: Die Colorbox ist eine bedruckte Box (meist aus Hartpappe), wie du sie z.B von Laptops oder auch Pralinen kennst. Die Vorteile sind die vielen Gestaltungsmöglichkeiten, sowie das Qualitäts-Gefühl beim Kunden. Besonders geeignet ist die Colorbox wenn du Brandbuilding betreiben möchtest oder dein Produkt sehr hochwertig ist.

Die Kosten liegen bei ca. 0,20 – 1,50 $ (Pro Box)

Tipp: Eine Colorbox muss nicht zwingend aus Hartpappe bestehen. Du kannst auch eine faltbare Verpackung nutzen, wie sie beispielsweise bei Zahnpasta und Cremes verwendet wird. Diese Verpackung ist zwar günstiger, allerdings auch anfälliger für Beschädigungen beim Versand.

Hat dein Supplier keine passende Option, kannst du über Alibaba einen anderen Verpackungshersteller finden, und die Verpackungen dann zu deinem Hersteller liefern lassen. 


Schritt 2: Pflichtangaben für die Verpackung

Im nächsten Schritt überprüfst du welche Daten, Zertifikate oder Hinweise auf deine Verpackung müssen. Das ist relativ schnell erledigt, denn bis auf ein paar Ausnahmen gelten für alle Produkte die gleichen Regeln:

Folgendes muss auf deine Verpackung:

• Deine Geschäftsadresse (Adresse auf die dein Unternehmen angemeldet ist)
• Ein Kontaktweg: Email oder Telefon
• Dein Strichcode (EAN oder FNSKU)
• Ein Made in xxxxx Hinweis, (Bsp: Made in China) ist in Deutschland keine Pflichtangabe. Trotzdem empfehle ich dir, diese Angabe direkt in dein Design zu integrieren. Dadurch machst du dein Unternehmen transparenter und hast bereits einen Schritt für den Verkauf in anderen EU-Ländern erledigt.

Folgendes muss eventuell auf deine Verpackung:

• CE Zertifikat – Wenn dein Produkt ein CE Zertifikat hat, muss dieses auch auf deiner Verpackung abgebildet sein.
• LFGB Zertifikat – Wenn dein Produkt ein LFGB Zertifikat hat, weil es in den Kontakt mit Lebensmitteln kommt, muss dieses entweder auf der Verpackung oder dem Produkt abgebildet sein.

Beim Polybag gibt es noch zwei kleine Sonderregeln: 

• Dein Polybag muss kleine Luftlöcher mit einem Durchschnitt von 5mm enthalten.
• Wenn die Öffnung größer als 12cm ist, muss ein Erstickungs Hinweis auf den Polybag. Dieser muss in der Sprache des Ziellandes formuliert sein. 

Tipp: Beim Polybag ist es am besten, EAN-Code und Adresse in Form von Stickern anzubringen. Wenn euer Hersteller den EAN-Code direkt auf das Plastik druckt, könnte es sein dass Amazon Probleme damit hat, euer Produkt zu scannen. 


Schritt 3: Designe deine Verpackung

Der nächste Schritt zu deiner Verpackung ist das Design. Hier ist vor allem Kreativität gefragt, denn es gibt unendlich viele Möglichkeiten eine Verpackung zu gestalten. 

Wenn du dich für das Polybag entschieden hast, spielt Design vermutlich keine Rolle und du kannst direkt zu Punkt 4 springen. 

Die meisten Seller realisieren Ihre Produktverpackung durch einen Designer Wettbewerb. Dafür kannst du Plattformen wie 99designs benutzen. Hier kannst du ab 269€ einen Wettbewerb starten: Du stellst ein Briefing online (Anhand eines von 99Designs bereitgestellten Formulars) und erhältst verschiedene Design-Entwürfe von verschiedenen Designern. So hast du eine Vielfalt an Ideen, musst aber nur eine bezahlen. Da der Designer eine genaue Vorlage benötigt, frage bei deinem Hersteller nach einem Template für die Verpackung in EPS, AI oder PDF Format.

Eine weitere Möglichkeit dein Design umzusetzen ist Fiverr. Dort findest du eine Vielzahl an Designern die zum Teil extrem günstige Preise anbieten. Aber Achtung: Du musst bei Fiverr sehr darauf achten, einen seriösen Grafiker zu finden. Manche Designer arbeiten nämlich mit urhebergeschützten Material oder kopieren das Design von anderen Marken.

Wenn du dich selbst um dein Design kümmern möchtest:

Du solltest dich fragen: “Wer ist meine Zielgruppe und wofür steht mein Produkt bzw. meine Marke?”

Bei diesem Schritt kannst du dir ruhig ein wenig mehr Zeit nehmen und auch brainstormen. Diese zwei Faktoren sollten dein Design nämlich am meisten beeinflussen. Beschreibe dein Unternehmen, dein Produkt und deinen Zielkunden dabei so genau wie möglich und hole dir aus diesen Daten die Informationen für dein Design. 

Beispiele:
Männlich = Dunklere Farben, schlichtes Design.
Spielzeug = Bunte Farben, spielerische Schrift. 
Luxusartikel = Matte Farben, schlicht, Gold und Silber.
Umweltbewusst = Grün, gelb, Recyceltes Papier.
und so weiter…

Lasse dich inspirieren. Der beste Weg, um Ideen für das eigene Design zu bekommen, ist sich andere Gestaltungen anzuschauen. Schaue dir die großen Marken zu deinem Produkt an oder besuche folgende Websites für weitere Anregungen:

https://www.99designs.com/
https://www.pinterest.de/
https://dribbble.com/


Schritt 4: Richtlinien und Lizenzen

Da du ein Produkt nach Deutschland importierst, giltst du auch als Hersteller des Produktes. Das bedeutet, dass du verantwortlich für die Verpackung bzw. den Müll bist, den du nach Deutschland bringst. Dafür musst du eine Gebühr bezahlen, die sich an der Menge des importierten Verpackungsmaterials orientiert. Um allen rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden, musst du folgende Punkte abhaken:

• Registrierung im Verpackungsregister
• Verpackungslizenz erhalten
• Mengenmeldung durchführen

Verpackungsregister

Seit 2019 gibt es ein neues Verpackungsgesetz. Früher war für uns Seller mit der Verpackungslizenz alles erledigt, seit 2019 musst du dich als Unternehmen zusätzlich bei der zentralen Meldestelle, dem sog. Verpackungsregister registrieren. 

Tust du das nicht, drohen dir hohe Geldbußen, es kann passieren dass du von einem Anwalt abgemahnt wirst oder sogar ein Verkaufsverbot bekommst. Deswegen ist es extrem wichtig, diesen Schritt zu erledigen sobald du dich für eine Verpackung entschieden hast. Du findest hier eine genaue Anleitung.

Verpackungslizenz

Um deine Verpackungslizenz zu erhalten, musst du dich bei einem sogenannten dualen System beteiligen. Ein duales System sorgt dafür, dass Verpackung bzw. Müll getrennt, und anschließend gesammelt wiederverwertet wird. Die Kosten, die dabei entstehen soll nicht der Verbraucher tragen, sondern der Inverkehrbringer einer Verpackung. Die Verpackungslizenz dient also als Beweis, dass du deiner Pflicht nachkommst. Der Preis hängt von der Menge des Verpackungsmaterials ab.

So eine Systembeteiligung ist extrem einfach, und online in ein paar Minuten erledigt. Deine Verpackungslizenz erhältst du direkt nach der Bezahlung per Mail. 

Suche dir dafür ein duales System deiner Wahl aus.  In Deutschland gibt es insgesamt neun duale Systeme, zu denen teilweise kleinere Anbieter gehören, mit denen du deine Verpackung lizenzieren kannst. Probiere am besten ein paar Anbieter aus, und prüfe welcher das beste Angebot hat. Bei den meisten Anbietern kannst du deine Mengen direkt angeben, und bekommst sofort den richtigen Preis angezeigt. 

https://www.lizenzero.de/
https://www.usepac.de/
https://activate.reclay.de/
https://www.eko-punkt.de/

Tipp: Ich persönlich kann dir Usepac empfehlen. Usepac gehört zu dem dualen System Veolia, dem größten Anbieter in Deutschland.  Die Webseite ist extrem einfach zu bedienen, super übersichtlich und bietet faire Preise.

Registriere dich also bei deinem Anbieter. Der Vorgang der Registrierung ist bei den meisten Anbietern ziemlich ähnlich und übersichtlich. Zuerst musst du die Menge deiner Verpackungen (Pro Jahr in Kg) angeben, und diese Daten anschließend bestätigen. Der Anbieter Lizensero hat eine Berechnungshilfe. Mit diesem Tool kannst du die Gewichte von Standardverpackungen ermitteln. 

Sobald du bezahlt hast, bekommst du von deinem Anbieter die Verpackungslizenz zugeschickt. Damit überprüfbar ist, dass du deine Verpackungen lizenziert hast, musst du jetzt eine Mengenmeldung im Verpackungsregister machen. 

Die Mengenmeldung 

Logge dich mit deinen Daten im Verpackungsregister ein, und gehe zu deinem Dashboard. Klicke anschließend auf die Option Datenmeldung. Du bekommst nun diverse Optionen angezeigt. Wichtig für dich sind die ersten zwei: 

Initiale Planmengenmeldung: Hier meldest du Verpackungsmüll für das nächste Jahr.
Unterjährige Mengenmeldung: Hier meldest du Verpackungsmüll für das aktuelle Jahr.

Du wirst danach zu einer Tabelle weitergeleitet wo du noch einmal deine Müllmengen, sowie deinen Systembetreiber angeben musst. Der Systembetreiber ist eines der neun dualen Systeme in Deutschland und steht auf deiner Verpackungslizenz. 

Wenn du das alles erledigt hast, bist du rechtlich auf der sicheren Seite. 

Es ist wichtig dass du deine Mengen immer auf aktuellem Stand hältst, und dich jedes Jahr darum kümmerst deine Verpackungen zu lizenzieren. Es kann immer sein dass du mehr Verpackungen importierst, als du im Vorjahr angemeldet hast. Das ist auch kein Problem, muss aber immer rechtzeitig gemeldet werden. 


Schritt 5: Überprüfung und Bestellung

Bevor du jetzt alles in die Wege leitest, um deine Verpackung herstellen zu lassen, solltest du noch folgende Überprüfungen durchführen:

• Führe eine Produktkalkulation inkl. Verpackungskosten durch. Wenn du einen verbindlichen Preis von einem Hersteller bekommen hast, musst du natürlich berechnen wie sich das auf deine Marge auswirkt. Sind die Kosten zu hoch, suche dir eine andere Verpackung oder einen anderen Hersteller. 

• Lass dir auf jeden fall Samples von deiner Verpackung schicken. Dadurch kannst du überprüfen ob Design, Farbe, Größe und Stabilität stimmen. Diese Faktoren können auf Fotos oft ganz anders wirken als in der Realität.

Tipp: Es kann sein dass die MOQ für eine individuelle Verpackung höher ist, als deine Bestellung. Du kannst die Verpackung trotzdem bestellen und den Überschuss bis zur nächsten Bestellung bei deinem Hersteller lagern. 

Hast du also eine Art der Verpackung gewählt und dein Produkt auf Verpackungsvorgaben geprüft, die Verpackung inklusive allen Pflichtangaben designt, alle Verpackungsrichtlinien befolgt, die Samples geprüft und eine Kalkulation durchgeführt, steht deiner fertigen Produktverpackung nichts mehr im Wege. Schicke dem Hersteller im letzten Schritt die Datei mit deinem Design und die Produktion kann losgehen.


Zusammenfassung: 

Du brauchst mindestens ein Polybag für dein Produkt. Prüfe, welche Verpackung geeignet ist, und vergesse auf keinen Fall eine erneute Margenkalkulation

Achte darauf dass du alle gesetzlichen Vorschriften einhältst und dich ausreichend über mögliche Zertifikate informierst. Hast du eine Angabe vergessen und die Ware ist schon unterwegs zu dir braucht es enormen Zeitaufwand, um diese zu ergänzen. 

Fokussiere dich bei der Designfindung auf deine Zielkunden und die Mission deines Unternehmens. Ein ansprechendes Logo und ein einheitlicher Stil sind wichtig, wenn du Brandbuilding betreiben möchtest. Lasse deine Ideen durch einen Designwettbewerb (99Designs) von verschiedenen Grafikern umsetzen. 

Kümmere dich um die Verpackungslizenz und die Anmeldung im Verpackungsregister, noch bevor deine Ware in Deutschland ist. Aktualisiere deine Angaben immer, wenn du ein neues Produkt auf den Markt bringst. Vergesse dabei nicht, auch im Verpackungsregister eine Mengenmeldung zu machen.  

Beste Grüße und viel Erfolg,
Lukas