Amazon FBA erste Schritte: Komplett-Anleitung für deinen Start!

Du hast das Potenzial von Amazon FBA erkannt und willst endlich damit anfangen deine eigenen Produkte auf Deutschlands größtem Online-Marktplatz zu verkaufen? Dieses Gefühl kann ich absolut nachvollziehen!

Doch wie so oft, ist es vor dem eigentlichen Start wichtig, einige Prozesse in die Wege zu leiten. Wie gründest du ein Unternehmen? Welches Rechtsform solltest du wählen? Was musst du alles für die korrekte Registrierung deines Unternehmens beantragen?

Um diese Fragen zu beantworten, gehen wir die 4 wichtigsten Schritte vor dem Start durch. Ich gebe dir auch wieder nützliche Tipps an die Hand, die dir den Start-Prozess erleichtern werden.

Wenn du diese Dinge umgesetzt hast, bist du bereit, endlich voll mit Amazon FBA durchzustarten! 


Warum sind diese Schritte jetzt schon so wichtig?

Bis wir die verschiedenen Unterlagen haben, die wir für den für den Verkauf unserer eigenen Produkte auf Amazon brauchen, können einige Wochen vergehen. Damit uns das hinterher nicht davon abhält, so durchzustarten wie geplant, erledigen wir einige Sachen direkt zu Beginn.

Es gibt nichts Ärgerlicheres, als wertvolle Zeit zu verlieren, weil uns noch nicht alle Dokumente vorliegen. Genau das wirst du vermeiden, wenn du direkt die Dinge umsetzt, die wir uns jetzt anschauen!


Die wichtigsten Schritte vor dem Start


1. Die Gewerbeanmeldung

Um der Hersteller deiner eigenen Marke zu werden, musst du als allererstes ein Unternehmen gründen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Wenn wir uns auf die Gründung eines deutschen Unternehmens beschränken, kannst du zu Beginn ein Einzelunternehmen, eine UG oder eine GmbH gründen.

Am einfachsten ist es für dich, wenn du mit einem Einzelunternehmen startest. Solltest du ein Business gemeinsam mit einem Freund starten, würdet ihr gemeinsam eine GbR gründen – das Pendant zum Einzelunternehmen.

Beim Einzelunternehmen, bzw. einer GbR, kannst du dich dann entscheiden ob du von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen möchtest oder nicht. Die Vor- und Nachteile dieser Regelung schauen wir uns im nächsten Schritt an.

Die Anmeldung eines Einzelunternehmens und einer GbR ist extrem günstig. Du zahlst direkt bei deinem lokalen Gewerbeamt eine Gebühr von 10-50€.

Wir schauen uns jetzt mal an, wie so ein Gewerbeschein aussieht:

Amazon FBA erste Schritte
Amazon FBA erste Schritte 2

Das ist der Gewerbeschein der Stadt Köln, in anderen Städten sieht er aber genau so aus.

Du gibst hier einfach deine normalen Daten ein, wie zum Beispiel Name und Adresse. Bei der Betriebsstätte wirst du wahrscheinlich auch deine Privatadresse angeben, wenn du von zu Hause aus arbeiten solltest. Bei den übrigen Angaben wird dir der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin des Gewerbeamtes auf jeden Fall weiterhelfen.

Der wichtigste Abschnitt befindet sich bei Punkt 15: Deine angemeldete Tätigkeit.

Hier möchte ich dir einen Tipp mitgeben:

Am Anfang weißt du wahrscheinlich noch nicht, welche Art von Produkten du verkaufen möchtest. Also musst du hier ein bisschen tricksen: Drucke eine Liste mit allen Kategorien auf Amazon aus und nimm diese mit zum Gewerbeamt.

Lass dich für alle möglichen Produktkategorien eintragen, so hältst du dir offen welche Produkte du verkaufen kannst.

Die Gründung eines Einzelunternehmens ist für dich die schnellste, einfachste und günstigste Methode.

Ein Nachteil des Einzelunternehmens ist allerdings das Haftungsrisiko, denn du haftest mit deinem Privatvermögen. Außerdem bist du, rechtlich gesehen, der offizielle Hersteller deiner Produkte, da du sie außerhalb Europas importierst.

Solltest du also ein Produkt importieren, dass für deine Kunden gefährliche Stoffe enthält oder ein Kunde verletzt sich an deinem Produkt, haftest du im Falle einer Klage mit deinem Privatvermögen.

Allerdings kannst du dich hier mit einer Betriebshaftpflichtversicherung absichern – Das würde ich dir auch auf jeden Fall empfehlen! Lass dich hier von einem Experten beraten, und schließe die Versicherung rechtzeitig ab.

Problematisch beim Start mit einem Einzelunternehmen kann auch die spätere Umfirmierung auf Amazon sein. Sollte dein Unternehmen richtig gut laufen und du erzielst jährliche Gewinne von ca. 80.000€, macht es aus steuerlich Sicht Sinn, über den Wechsel zu einer UG oder GmbH nachzudenken.

Amazon prüft beim Wechsel der Unternehmensform deine Daten und sperrt für einige Zeit deinen Account. Dies hört sich schlimmer an als es ist. Sollte es soweit sein, dass eine Umfirmierung für dich in Frage kommt, ist auch das auf jeden Fall ein machbarer Prozess!

Solltest du mehr als 15.000€ Startkapital zur Verfügung haben, im ersten Jahr sofort 8-10 Produkte launchen und Vollzeit direkt skalieren wollen, dann kann es Sinn machen, sofort mit einer UG oder GmbH zu starten. Hier ist die Anmeldung allerdings um einiges aufwendiger und teurer. Hierfür solltest du dich auf jeden Fall mit einem Steuerberater austauschen!

Die UG ist eine besondere Form der GmbH. Hier brauchst du lediglich ein Stammkapital von 1€, weswegen sie auch oft Ein-Euro-GmbH genannt wird. Jedoch musst du hier so lange 25% deiner Gewinne zurücklegen, bis du das geforderte Stammkapital einer GmbH erreicht hast.

Die GmbH ist eine der angesehensten Rechtsformen in Deutschland und im Ausland. Hier beträgt die Stammkapital-Einlage 25.000€, bzw. bei einer Ein-Mann-GmbH 12.500€.

Bei beiden Rechtsformen gibt es eine Haftungsbeschränkung, was bedeutet, dass du nicht mit deinem Privatvermögen haftest.

Du hast hier allerdings hohe bürokratische Kosten, beispielsweise für einen Notar und bist zur doppelten Buchführung verpflichtet.

Wie du siehst, haben alle Rechtsformen ihre Vor- und Nachteile. Wenn du mit beschränktem Startkapital anfängst und die Gründung deines Unternehmens schnell hinter dich bringen möchtest, ist das Einzelunternehmen die richtige Wahl für dich.

Solltest du mit dem Gedanken spielen, sofort eine UG oder eine GmbH zu gründen, solltest du dich auf jeden Fall mit einem Experten auf diesem Gebiet unterhalten. Gemeinsam mit deinem Steuerberater wirst du auch diesen Prozess meistern.


2. Das Geschäftskonto

Um deine Kosten, Einnahmen und Ausgaben sauber von deinen privaten Geldgeschäften zu trennen, solltest du gleich am Anfang ein separates Konto anlegen.

Du hast einen viel besseren Überblick über deine Finanzen und erkennst sofort, wie viel Kapital dir für neue Investitionen zur Verfügung stehen.  

Wenn du im Laufe der Zeit mit einem Steuerberater zusammen arbeitest, ist es auch für ihn um einiges übersichtlicher, wenn deine privaten und geschäftlichen Geldströme über unterschiedliche Konten laufen.

Als Einzelunternehmer sind wir offiziell nicht dazu verpflichtet ein Geschäftskonto zu führen. Dennoch sehen es die Banken nicht gerne, wenn deine geschäftlichen Transaktionen über dein privates Konto laufen. Daher musst du bei vielen, egal ob Einzelunternehmen oder nicht, ein Geschäftskonto einrichten.

Geschäftskonten werden von so gut wie jeder Bank angeboten. Die monatlichen Kosten liegen in der Regel zwischen 12 – 15€. Hinzukommen noch Kosten pro Transaktion, die sich aber nur auf einige Cent belaufen.

Da sich die Gebührenmodelle bei jeder Bank ein wenig unterscheiden, solltest du dir einfach mal verschiedene Angebote einholen.

Ich tendiere immer dazu, meine Hausbank zu wählen, was zum Beispiel die Volksbank oder die Sparkasse sein könnte. Hier profitierst du von persönlichen Ansprechpartnern, die dir oft direkt einen Kontakt zu einer guten Betriebshaftpflichtversicherung zur Verfügung stellen.

Eine etwas andere Alternative ist die Fidor Bank. Hier hast du keine monatlichen Kontoführungsgebühren. Pro Transaktion zahlst du eine Gebühr von 20 Cent.

Allerdings sind hier keine Auslandsüberweisungen außerhalb der EU möglich. Hierfür gibt es natürlich auch wieder Lösungen, indem du zum Beispiel die guten Services von Azimo oder Giroxx nutzt.

Wenn du dich für einen Anbieter entschieden hast, läuft die Eröffnung deines Kontos sehr schnell und einfach ab. Mit deinen neunen Bankdaten kannst du dann direkt den nächsten Schritt angehen.


3. Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Zusammen mit deiner Gewerbeanmeldung und deinen Geschäftskonto-Daten kannst du jetzt die nächste Aufgabe in Angriff nehmen – den Weg zu deinem zuständigen Finanzamt. Denn nach Ausfüllen des Fragebogens erhältst du deine Steuernummer, die du immer wieder benötigst.

Du kannst auch darauf warten, dass einige Wochen nach der Gewerbeanmeldung der Fragebogen in deinem Briefkasten liegt.

Viel schneller geht es, wenn du direkt nach deiner Gewerbeanmeldung und der Anmeldung deines Geschäftskontos zum Finanzamt gehst und vor Ort den Fragebogen ausfüllst. Ungefähr so sieht der Beginn des Fragebogens aus:

Amazon FBA erste Schritte 3

Der Fragebogen ist nicht ganz so einfach auszufüllen, weswegen ich dir auf jeden Fall empfehle, dir beim Ausfüllen helfen zu lassen. Wenn du freundlich und vorbereitet bist, wird man dir dort gerne weiterhelfen!

Neben einigen persönlichen Angaben musst du dem Finanzamt auch spezifische Informationen zu deinem Unternehmen mitteilen.

Hier gibt es einige Sachen zu beachten:

Du musst unter anderem schätzen, wie hoch deine Einkünfte und deine Umsätze im Jahr der Betriebseröffnung und im Folgejahr sein werden. Das ist natürlich schwierig, da du nicht weißt, wie sich dein Unternehmen entwickeln wird.

Jedoch solltest du hier erstmal sehr geringe Zahlen angeben. Sonst kann es sein, dass du vom Finanzamt direkt ein weiteres Formular bekommst, dass dich dazu verpflichtet erstmal hohe Summen an Vorsteuer-Vorauszahlungen zu leisten, bevor du überhaupt du gestartet bist.

Gib also zunächst geringe Einkünfte und Umsätze an, um dir diese Kosten zu sparen. Der Grundfreibetrag im Rahmen der Einkommenssteuer liegt bei etwa 9.000€. Gib bei deinen Gewinnen für die ersten beiden Jahre am besten einen Wert unterhalb dieser Summe an.

Der nächste wichtige Punkt ist, ob du von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen möchtest oder nicht. Von dieser kannst du Gebrauch machen, solange dein Gesamtumsatz die Grenze von 17.500€ und im Folgejahr von 50.000€ nicht überschreitet.

Der wichtigste Vorteil bei der Kleinunternehmerregelung ist, dass du beim Verkauf deiner Produkte keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen musst. Du kannst also die 19% für dich behalten.

Wenn du merken solltest, dass dir dieses Business-Konzept nicht gefällt, kannst du ohne weiteres aufhören. Denn du bist im Gegensatz zur Regelbesteuerung nicht für 5 Jahre an die Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt gebunden.

Sobald dein jährlicher Umsatz die 17.500€ Grenze übersteigt, musst du allerdings zur Regelbesteuerung wechseln. Dieser Wechsel bedeutet für dich hinterher einen größeren Aufwand.

Außerdem kannst du bei der Kleinunternehmerregelung auch keine Vorsteuer geltend machen. Das heißt, du kannst dir die 19%, die du beim Einkauf zahlst, nicht vom Finanzamt zurückholen.

Solltest du zu Beginn viel investieren, beispielsweise in Weiterbildung, kann es sich lohnen auf die Regelung zu verzichten. Da wir in diesem Geschäftsmodell sehr viel importieren, ist es hier ebenfalls lohnenswert die Vorsteuer geltend machen zu können.

Wenn viele Geschäftskunden deine Produkte kaufen, ist es für sie ebenfalls besser, wenn sie die Möglichkeit haben, sich die Vorsteuer beim Kauf zurückzuholen.

Sollte es dein Ziel sein, mit Amazon voll durchzustarten, solltest du ohne die Kleinunternehmerregelung starten, denn die 17.500€ Umsatz wirst du schnell überschreiten. Somit hast du hinterher auch keinen Aufwand zur Regelbesteuerung zu wechseln.

Noch ein Tipp zum Fragebogen:

Egal ob Kleinunternehmerreglung oder nicht, beantrage auf jeden Fall direkt die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Amazon FBA erste Schritte 4

An vielen Stellen innerhalb des Importprozesses ist es hilfreich, sie schon angeben zu können. Auch auf Amazon benötigst du sie, sobald du nicht mehr von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machst.

Wenn du hier einfach das kleine Kreutz setzt, bekommst du ein paar Wochen später deine Umsatzsteuer-ID per Post zugesendet und kannst sie direkt bei Amazon eintragen.

Sobald du mit einem der Mitarbeiter den Fragebogen ausgefüllt hast, hast du schonmal eine große Aufgabe bewältigt. Der letzte Schritt ist dann um einiges einfacher.


4. Die EORI-Nummer

Die EORI-Nummer ersetzt die frühere deutsche Zollnummer und gilt jetzt für den gesamten europäischen Raum. Du brauchst sie für den Import deiner Waren aus China, aber auch schon, wenn du die ersten Samples bestellst.

Du kannst das Formular „0870“ auf der Homepage des deutschen Zolls herunterladen und direkt ausfüllen.

Hier musst du dann auch deine neue Steuer- und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer angeben. Solltest du die Unterlagen noch nicht zugeschickt bekommen haben, kannst du sie auch später nachreichen.

Solltest du Fragen haben, kannst du dich auch immer an den Zoll direkt wenden. Sie sind immer sehr freundlich und hilfsbereit.

Sobald du alles ausgefüllt hast, druckst du das Formular aus und unterschreibst es nochmal handschriftlich. Dann musst du das Dokument nur noch per Mail an antrag.eori@zoll.de schicken und hältst 1 – 2 Wochen später deine EORI-Nummer in den Händen – ein tolles Gefühl!


Fazit

Klar gibt es Aufgaben, die auf dem Weg zum Aufbau deines eigenen Unternehmens wesentlich mehr Spaß machen. Doch auch diese gehören dazu.

Aber auch hier gibt es einen großen Vorteil: Durch das Ausführen der ersten Schritte steigerst du nochmal dein persönliches Commitment. Du bist aus deiner Komfortzone gegangen und hast die ersten Steps erfolgreich gemeistert. Jetzt bist du bereit richtig tief in die Materie einzusteigen!

Je schneller du diese 4 Schritte erledigst, desto mehr Zeit hast du, dich auf die spannenden Aufgaben zu fokussieren – Lass uns mit der Produktrecherche loslegen!  

Beste Grüße
Lukas